Informationen zu den Veranstaltungen

11.05.2010 – Eröffnungsvortrag

In seinem Eröffnungsvortrag „Der ‘homo islamicus’ und die Aufklärung“ wird der Philosophiehistoriker Dr. Geert Hendrich (TU Darmstadt) quasi den theoretischen Rahmen der Veranstaltungsreihe setzen:

Die Aufklärung gehört zum Selbstverständnis der Kultur der Moderne. Kommt dabei „der Islam“ ins Spiel, berufen sich selbst erzkonservative Scharfmacher oder katholische Sittenwächter auf die „Errungenschaften“ der Aufklärung. Gilt es diese doch gegen einen per se antimodernen, weil zur Aufklärung nicht fähigen Islam zu verteidigen. Vollends heillos wird die Debatte, wenn postmoderne Apologeten im Namen der kulturellen Differenz Menschenrechte und Verfahren demokratischer Legitimation und Partizipation auf den Müllhaufen der Geschichte entsorgen wollen – und dafür Beifall von islamistischen Ideologen bekommen. Wahrlich: „Der Schlaf/Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer“! Denn weder die selbst ernannten Verteidiger noch die naiven Kritiker bemerken, dass Aufklärung heute gerade nicht bedeutet, lediglich die europäische Modernisierungsgeschichte affirmativ nachzuvollziehen.
Der Vortrag möchte einen Bogen schlagen von der grundsätzlichen Problematisierung des Verhältnisses von Aufklärung und Moderne zur Aktualität des Aufklärungsdiskurses in den arabo-islamischen Ländern. Dessen Vielfältigkeit wird kaum wahrgenommen, auch weil die europäische Wahrnehmung noch zu oft von den Gleichsetzungen „aufgeklärt – westlich“ und „antimodern – islamisch“ ausgeht. Dagegen muss nach meiner Wahrnehmung von der Faktizität der Moderne auch in den Kontexten „des Islam“ ausgegangen werden, und dann verlaufen die Diskurslinien nicht zwischen Kulturen, sondern quer durch sie als Aufklärung und Gegenaufklärung. Und auch diese Begriffe werden um so „unübersichtlicher“, je näher man sie betrachtet. Zwischen einer Moderne, die sich selbst nicht wahr haben will, und der Akzeptanz ihrer Unabschließbarkeit erweist sich Aufklärung auch hier vor allem im Ringen um Mündigkeit.

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19.05.2010 – Länderbeispiel Ägypten

In Ägypten ist seit Jahren ein Erstarken konservativer und islamistischer Gruppen zu bemerken, die den öffentlichen Diskurs beeinflussen und den öffentlichen Raum weithin sichtbar dominieren. Symbole dieser Entwicklung sind die Verdrängung alkoholischer Getränke aus der Gastronomie oder die fast vollständig durchgesetzte Verschleierung von Frauen, immer öfter auch mit der wahhabitischen Variante des Tschador, der nur noch die Augen freilässt, was vor dem Hintergrund einer massiven Arbeitsmigration von ÄgypterInnen nach Saudi-Arabien gesehen werden muss. Gleichzeitig sind islamische und islamistische Gruppen wie die Muslimbrüder ambivalente Akteure im oppositionellen Kampf um politische Rechte und Demokratisierung. Doch auch säkulare AktivistInnen und FrauenrechtlerInnen kämpfen gegen die Unterdrückung der Individuen durch die an vermeintlichen oder tatsächlichen Traditionen orientierten gesellschaftlichen Zwänge, die von Seiten der Familie, des Clans, der Religionsgemeinschaft, des nationalen Kollektivs oder des Staates ausgeübt werden. Mit einem Fokus auf die Frauenbewegung sollen im Vortrag der Politologin Hoda Salah (FU Berlin) die Akteure von Menschenrechts- und Säkularismusdebatten in Ägypten und ihre Argumentationen in den Blick genommen werden.

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03.06.2010 – Islamismus und Säkularismus im Irak

Der Irak ist immer weniger in den Medien, die meist nur berichteten, wenn baathistische oder islamistische Terroristen wieder einmal US-Soldaten oder dutzende Iraker ermordet hatten – insgesamt mindestens hunderttausend Zivilisten. Die Sicherheitslage scheint sich nun zu stabilisieren, vor kurzem haben zudem die zweiten mehr oder weniger freien Wahlen stattgefunden, die explizit religiösen Parteien haben zu Gunsten einer eher säkular orientierten Partei zahlreiche Stimmen verloren.
Doch die Regierung, die von der internationalen Koalition unter Führung der USA nach dem Sturz des Baath-Regimes Saddam Husseins „im Kampf für Menschenrechte und Demokratie“ eingesetzt wurde und deren Vertreter noch heute die politische Entwicklung bestimmen, hat die Meinungsfreiheit eingeschränkt, die Verfassungsentwürfe verstümmelt und die Religion zum Verfassungsprinzip erhoben.
Wir stellen die Frage nach den Demokratievorstellungen in der irakischen Bevölkerung, nach Akteuren eines Kampfes um demokratische Rechte und einen säkularen Staat. Eingeladen ist der Journalist und Wirtschaftsexperte Dr. Nagih Al-Obaidi, der versuchen wird, anhand des Beispiels “Säkularismus und Islamismus bei den Parlamentswahlen im Irak” auf diese Fragestellung einzugehen.

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09.06.2010 – Die islamische Diktatur, die „grüne Bewegung“ und der Kampf für einen säkularen Iran

Das Regime der Islamischen Republik Iran feierte dieses Jahr seinen 31. Geburtstag. Seine Herrschaft ist jedoch so bedroht wie nie zuvor, da sich seine Vorstellungen von Moderne mittlerweile von denen beachtlicher Teile der Bevölkerung unterscheiden. Auf immer lauter werdende Rufe nach Freiheit, mit der manche Reformen, andere den Sturz des Regimes und Demokratie, einige ein Ende der Geschlechterapartheid und andere kulturelle Pluralität verbinden, reagiert das Regime mit immer rücksichtsloserer Gewalt. Frauen werden weiterhin massiv diskriminiert, ethnische und religiöse Minderheiten unterdrückt und politische Oppositionelle mundtot gemacht.

Das sind einige der Gründe, weshalb der Iran bisher als das absolute Gegenteil einer modernen,  aufgeklärten Gesellschaft galt.  Seit dem vergangenen Sommer, in dem die „grüne Bewegung“ ins Leben getreten ist, nimmt die Weltöffentlichkeit nun jedoch auch einen anderen Iran, vielleicht den „echten“ Iran wahr. Demokratie und Säkularismus in der nahen Zukunft dieses nahöstlichen Landes? Für manche ist diese Vorstellung utopisch, für die iranische Freiheitsbewegung jedoch ein Ziel, für das zu kämpfen es gilt. Die Freiheitsbewegung im Iran und ihr Kampf gegen die „Herrschaft der Rechtsgelehrten“ und die Macht der Revolutionsgarden haben im letzten Jahr einen Höhepunkt erreicht – mit dem Potential, den gesamten Nahen Osten langfristig zu prägen.

Doch welches sind die Wurzeln dieser emanzipatorischen und säkularen Tendenzen? Wohin steuert der Iran in naher Zukunft? Wie steht es um die iranische Zivilgesellschaft und warum sieht diese – im Gegensatz zum herrschenden Regime –  den Westen nicht als dekadent an? Welche Akteure verbergen sich in dieser aufgeklärten Bewegung? Zu dieser Thematik referiert die deutsch-iranische Publizistin Saba Farzan.

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24.06.2010 – Öffentlichkeit? Warum Habermas und Marx mehr mit der arabo-islamischen Neuzeit zu tun haben, als die eurozentrische Geschichtsschreibung verrät

Habermas’ Thesen zum “Strukturwandel der Öffentlichkeit” in der Frühen Neuzeit sind längst Allgemeingut, der Bürger, die Öffentlichkeit, das räsonnierende Publikum sind Schlüsselbegriffe der Geschichtswissenschaft. Doch handelt es sich hier um spezifisch europäische Strukturmerkmale der Moderne? Oder kann man vielmehr das dominante Muster von dynamischem Norden und statischem Süden, von Fortschritt hier und Niedergang dort grundsätzlich in Frage stellen, wenn man einen Blick auf die Entwicklungen in Kairo oder Damaskus wirft, der die Quellen nicht dekontextualisiert, sondern vielmehr in ihren historischen und sozialen Kontexten wahrnimmt? Ein materialistischer, die sozialen Hintergründe fokussierender Zugang erlaubt die Frage, ob nicht Marx sehr viel mehr zum Verständnis der arabo-islamischen Neuzeit beitragen kann, als Gelehrtenbiographien und die Sammlung der Sahih-Hadithe des Propheten. Man kann, so soll vorerst behauptet werden, mit Blick auf Kairo oder Damaskus von einer Vorwegnahme der ‘bürgerlichen Gesellschaft’ sprechen, die in Marx’ Worten “seit dem 16. Jahrhundert sich vorbereitete und im 18. Riesenschritte zu ihrer Reife machte” und in der “der einzelne losgelöst von den Naturbanden usw., die ihn in frühren Geschichtsepochen zum Zubehör eines bestimmten, begrenzten menschlichen Konglomerats machen”, erscheint. Habermas’ Salons und Kaffeehäuser haben – ebenso wie die Arkanwelten der Freimaurer – mehr mit der Frühen Neuzeit im Nahen Osten zu tun, als man glauben mag. Ein Plädoyer für das Hinterfragen liebgewonnener historischer Narrative versucht Hannes Bode in seinem Vortrag.

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16.12.2010 – Bücherverbrennungen, Averroës und der moderne Islamismus. Warum Chahines preisgekrönter Film „Schicksal“ im mittelalterlichen Andalusien spielt, jedoch das moderne Ägypten beschreibt und kritisiert // Youssef Chahines „Schicksal“ ist ein fabelartiger Historienfilm, dessen Handlung in Córdoba im mittelalterlichen Andalusien angesiedelt ist, während der angeblich goldenen Ära des Islams. Die zentrale Figur des Films ist der berühmte Philosoph und Gelehrte Ibn Rushd (Averroës), eine Schlüsselfigur in der europäischen Aristoteles-Rezeption, dessen Name auch in der aktuellen Islamdebatte zwischen allerlei hohlen Phrasen immer wieder auftaucht, auf Seiten von Apologeten und Kritikern. Im Film treffen er und seine lebensfroh und individuell gezeichneten Freunde bald auf ein Kollektiv machthungriger Fundamentalisten, Wissen stößt auf Glauben, (Selbst-)Kritik auf Überzeugung, Musik auf religiös-ekstatische Gesänge – eine weitere Schlüsselrolle im Film spielt der säkulare ägyptische Popstar Mohammed Mounir. Und schnell bemerkt man, dass man es mit einer Fabel zu tun hat, und erkennt gesellschaftliche und politische Akteure der arabo-islamischen Gegenwart und aktuelle Konflikte um das Verständnis von Religion, die Verfasstheit des Staates und die Freiheit des Individuums. Alle der mehr als 30 Filme Chahines verweisen auf politische und soziokulturelle Entwicklungen in Ägypten, auf religiöse bzw. kulturelle Normen und gesellschaftliche Debatten, sowie auf seine persönliche, widersprüchliche Verortung in der komplexen ägyptischen Gegenwart. Chahines Film ist eine hochpolitische Stellungnahme vor dem Hintergrund der gewaltsamen Auseinandersetzung mit dem Menschen verachtenden Islamismus, inmitten derer sich die arabische Welt und Ägypten schon in den 90er Jahren befanden – lange vor dem 11. September. Vor dem Film wird ein Vortrag in sein Thema und historisch-politische Hintergründe einführen.

Spielfilm “Al Massir“ [Youssef Chahine: Schicksal, Ä/F 1997, 130 min, OmeU] mit Einführungsvortrag

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Fallbeispiel: Adoleszenz und politische Sozialisation in palästinensischen Flüchtlingscamps

20. Januar 2011 – 18.30 Uhr – Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Den Wirbel um das Manifest Jugendlicher aus dem Gazastreifen mag man ebenso wie die massiven Jugendunruhen in nordafrikanischen Ländern [s.u.] im Hinterkopf haben, wenn am 20.01.2011 der Soziologe Christoph Schwarz in seinem Vortrag der Frage nachgehen wird, wie in palästinensischen Flüchtlingslagern der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenstatus strukturiert ist: Seine Studie untersucht die Adoleszenz von Jugend- lichen, die seit der Ersten Intifada kollektiviert zu den Protagonisten des palästinensischen „Befreiungskampfes“ stilisiert werden und ein zentraler Identifikationspunkt arabisch-nationalistischer und islamistischer Bewegungen sind. Mit welchen Erwartungen und politischen Implikationen findet Adoleszenz in diesem Kontext statt? Inwieweit kann man an einem solchen sozialen Ort überhaupt von einem modernen “adoleszenten Möglichkeitsraum” (Vera King) sprechen, der eine „Ablösung“ von den vorgegebenen Rollenerwartungen des Herkunftsmilieus und die Entwicklung eines eigenen Lebensentwurfes ermöglichen würde?

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Moderne in Sprache und Poesie? Ahmad Shamlou – Irans „Master Poet of Liberty“

In einer … Welt, deren Leitung und Verwaltung in die Hände von Verbrechern und Irren gefallen ist, ist Kunst ein Mittel zur Unterhaltung; man kann von ihr keine Rettung erwarten…“

26. Januar 2011 – 18.30 Uhr – Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Ahmad Shamlou (1925-2000) war Schriftsteller, Journalist, Dichter – der wohl einflussreichste und berühmteste Poet der iranischen Moderne. In fünfzig Schaffensjahren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfasste er mehr als 70 Bücher – zum größten Teil Gedichte, aber auch Kurzgeschichten, Romane oder Drehbücher. Seine Revolutionierung der persischen Lyrik, so etwa die systematische Arbeit mit „Kolloquialismen“ und der Bruch mit der traditionellen Metrik und anderen Konventionen, sein komplexer und anspruchsvoller Stil heben seine persische Dichtung von der anderer Zeitgenossen ab. Er gilt vielen als größter persischsprachiger Dichter seit Hafez und Firdausi; man sagt, in fast jedem iranischen Haus finde sich eines seiner Bücher.

Seine Jugend prägten der kulturelle Aufbruch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die Jahre Mossadeghs und dessen Sturz. Die Welt grundsätzlich zu verändern, beschrieb er einmal als Ziel der Poesie. Sein kontinuierlicher huma-nistischer Nonkonformismus brachte ihn als utopischen Kommunisten, der Parteien und Regierungen ablehnte, in Opposition zu Shah und islamischem Regime.

Den beeindruckenden Menschen Shamlou, den großen „Dichter der Freiheit“, porträtiert der Dokumentarfilm „Ahmad Shamlou – Master Poet of Liberty“ des iranischen Regisseurs und Filmaktivisten Moslem Mansouri. Im Film finden sich nicht nur ausgiebige Interviewsequenzen, die in Gesprächen mit Shamlou aufgezeichnet wurden. Zudem kommen verschiedene iranische Dichter, Schriftsteller, Filmemacher und Literaturwissenschaftler zu Wort, die sich zu seinem Werk äußern.

Bürgerlich? Islamistisch? Revolutionär? Der Maghreb nach dem Umbruch in Tunesien und Ägypten
Rachid Ouaissa (Marburg)
Do, 28.04.11, 18.30, Melanchthonianum, Uniplatz

Verblüfft und verwirrt waren große Teile der Medien und der Politik, als Tunesien nicht mehr in den Reiseführern, sondern in den Nachrichten Thema wurde, als hunderttausende zumeist jüngere Demonstranten in kurzer Zeit einen autoritären Herrscher stürzten. Noch weniger erwartete irgendjemand die täglichen Massendemonstrationen und das Ende der Mubarak-Diktatur in Ägypten. Mit reichlich Verspätung überbot man sich schließlich mit Analysen und Einschätzungen. Handelte es sich nun um Brotunruhen? Profitierten die Islamisten – eine Revolution wie 1979? Ging hier eine friedliche Demokratiebewegung für eine liberale Demokratie auf die Straße – wie vermeintlich 1989? Oder war es gar eine Revolution 2.0 – nur möglich wegen facebook und twitter?
Der Vortrag von Prof. Rachid Ouaissa (CNMS, Universität Marburg) soll die Hintergründe des Umbruches im Nahen Osten beleuchten, mit dem Fokus auf Nordafrika. Die ökonomische Situation im Maghreb gilt es dabei ebenso in den Blick zu nehmen, wie die gesellschaftlichen Strukturen, den Anteil junger Menschen, die Rolle der vielbeschworene Mittelschicht oder die Auflösung tribaler Strukturen. Die Betrachtung und Analyse dieser Hintergründe ist die Voraussetzung, um die Frage nach Tradition und Moderne im Nahen Osten zu stellen.

Religious Actors and Societal Transformation: The Role of the Dönme in the Late Ottoman Empire and early Turkish Republic

Marc Baer (Irvine, California)
Mi, 11.05.11 I 18.30 I Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Der Vortrag von Prof. Marc Baer wird sich mit der “osmanischen Moderne” beschäftigen. Sucht man einen Zugang zu dieser Phase, die durch Niedergang, Dekadenz, Stillstand und andere Schlagworte der orientalistischen Forschung kaum beschrieben werden kann, und deren beeindruckendes Gesellschaftsporträt der Schriftsteller Amin Maalouf in der “Spur des Patriarchen” zeichnet, muss man die immer wieder reproduzierte Trennung zwischen “uns” und den “Anderen” ignorieren.

Der Vortrag Baers in englischer Sprache wird sich mit einem wenig erforschten Bereich der Geschichte des Nahen Ostens beschäftigen, den sogenannten Dönme und ihrer Bedeutung für das progressive, säkulare Klima in osmanischen Städten um die Jahrhundertwende 1900:

The Dönme were an ethno-religious group formed by Ottoman Jews who converted to Islam following the example of the messianic claimant Shabbatai Tzevi three centuries ago. After their initial conversion, the Dönme were accepted as Muslims for two centuries, and by the end of the nineteenth century, they had risen to the top of Salonikan society. From that vantage point, they were able to help transform Ottoman Salonika into a cosmopolitan city by promoting the newest innovations in trade and finance, urban reform, and modern education, literature, architecture, and local politics.

To their admirers, they were enlightened secularists and Turkish nationalists who fought against the dark forces of superstition and religious obscurantism. But to their opponents, they were atheists, or simply Jews who had engaged in a secret Jewish plot to dissolve the Islamic empire and replace it with an anti-Muslim secular republic led by a crypto-Jew. Both points of view, whether complimentary or critical, assumed that the Dönme were anti-religious. However, the historical record shows that the Dönme created a new form of ethno-religious belief, practice, and identity, which made them distinct, while promoting a morality, ethics, and spirituality that reflected their origins at the intersection of Jewish Kabbalah and Islamic Sufism.

The talk will focus on the pivotal role that education at Dönme schools played in transforming the late Ottoman Empire and how that role has been remembered in the Turkish Republic.

 

Arabischer Nationalismus, Islam und die Auslandspropaganda der Nationalsozialisten

Vortrag von Vera Henßler (Berlin) mit einer Einführung von Hannes Bode (Halle)
Mi., 29.06.2011 – 18.30 – Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges herrschte bei den für die Auslandspropaganda zuständigen NS-Ämtern bezüglich einer Propaganda in die „arabische Welt“ starke Zurückhaltung. Grund dafür war die nationalsozialistische Außen- bzw. Bündnispolitik, so stand z.B. die enge Verbindung mit der Kolonialmacht Italien einer Einbindung nationalistischer und gegen die Kolonialmächte gerichteter Bewegungen im Nahen Ostens entgegen.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden neue Voraussetzungen geschaffen, die deutsche Propagandastrategie änderte sich, und der Nahe Osten wurde zunehmend Ziel einer vor allem antisemitischen, nationalistischen Propaganda. Im Mittelpunkt stand die Propagierung einer „jüdischen Weltverschwörung“, die sich sowohl gegen Deutsche als auch gegen (arabische) Muslime richte. Die zeitgenössischen nationalistischen Diskurse wurden dabei geschickt und mit Hilfe orientalistischer und islamwissenschaftlicher Expertise mit religiösen Traditionen verknüpft, arabische Nationalisten wie Amin el-Husseini, der “Mufti von Jerusalem”, wurden in die Propagandaarbeit mit eingebunden.

In der Einführung wird die Genese des arabischen Nationalismus, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch im Nahen Osten zur mächtigen Ideologie geworden war, und der deutsche Einfluss während des Ersten Weltkrieges beleuchtet werden. Im Vortrag der Historikerin Vera Henßler geht es dann um die Entwicklung der deutschen Propaganda in den arabischen Raum im Zusammenhang mit Kriegsstrategie und Außenpolitik der Nationalsozialisten sowie die Funktion des Antisemitismus und dessen Verknüpfung mit anderen Ideologemen in diesem Kontext.


[1] Meyer, Annette: Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S. 12.

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Filmreihe Sommersemester 2010

Alle Vorführungen 21.00 im Kino Zazie, Kleine Ulrichstr. 22, Halle

08.06.2010 – Iranisches Untergrundkino – Moslem Mansouris “Epitaph” und “Utopia”

Moslem Mansouri ist ein iranischer Filmemacher, der im kanadischen Exil lebt. Seine Filme produzierte er in Kanada, das Material – Aufnahmen, die er unter Lebensgefahr und meist mit versteckter Kamera im Iran drehte – wurde vorher mühsam außer Landes geschmuggelt.

Die zwei kurzen Dokumentarfilme, die nun im Zazie gezeigt werden, sind einzigartige Zeugnisse des schwierigen Lebens in der Islamischen Republik Iran. Der erste Film dokumentiert das Leben von Flüchtlingen aus der Zeit des Iranisch-Irakischen Krieges, die als nicht vorgesehene lebende Opfer nicht in das Konzept von „Märtyrertum oder Sieg“ des iranischen Regimes passen, und ein erbärmliches Leben fern jeder staatlichen Unterstützung führen. Der zweite verleiht den Betroffenen der im Iran weit verbreiteten Prostitution eine Stimme. Unzählige Frauen, die nicht zur wohlhabenden Schicht der iranischen Gesellschaft gehören, sind aufgrund der extremen patriarchalen Verhältnisse gezwungen, sich um überhaupt zu überleben zu prostituieren. In einer beeinruckenden Schärfe analysieren die Frauen im Film Mansouris die unmenschlichen gesellschaftlichen Verhältnisse.

29.06.2010 –

Autoreflexiver Spielfilm über Jugend, Individualität und den (selbst-)mörderischen Islamismus im Maghreb (35 mm, OmU)

Filme, die dem Zuschauer in 90 Minuten eine Lösung dafür anbieten wollten, warum junge Menschen zu Selbstmordattentätern werden, hatten in den letzten Jahren Konjunktur. Der streitbare tunesische Regisseur Nouri Bouzid überführt sie mit seinem Meisterwerk „Making Off – Kamikaze“ der Lüge. Seine Geschichte über einen jugendlichen Tänzer und die zerstörerische Kraft des Islamismus ist nicht Spielfilm, sondern Fabel; Schauspieler, Filmfiguren und Regisseur verweigern sich den Konventionen. Die Folie für die Handlung ist die komplexe gesellschaftliche Realität in Nordafrika, die schlechte wirtschaftliche Situation, Stagnation, Mangel an Freiräumen, Polizeigewalt, und der bei vielen immer präsente und doch nahezu unerfüllbare Wunsch eines Eindringens in die nahe ‚Festung Europa’.

Ich will meine Vision des Islam zeigen, meine Kritik des Islam zeigen, als säkularer Muslim. [...] Die Rationalität der Leute wird vom Sakralen unterdrückt.

Nouri Bouzid

Kartago Filmfestival 2007 (Tunesien):Bester Film, bester Schauspieler, beste Schauspielerin

Tribeca Filmfestival 2007 (New York):Bestes Drehbuch, bester Schauspieler

FESPACO 2007 (Burkina Faso):Preis der COE und bester Schauspieler

Hintergrund

Autorität und absolutistisch? Die politische Situation in Tunesien [klick]

Bürgerrechtsbewegung in Tunesien: “Die Unterdrückung hört nicht auf!” [klick]

“Wider die Despoten vor Europas Haustür” [klick]

Über die “Vorverlagerung” des europäischen Grenzschutzes – Europas Verrat der Menschenrechte [klick]


13.07.2010 – Djamila Sahraouis „Barakat“ : eine algerische Reise

Dienstag, 13. Juli 2010 – 21.00 – Kino “Zazie”  (Kleine Ulrichstr.)

Djamila Sahraouis preisgekrönter Film zeichnet rund um eine Reise von zwei Frauen durch Algerien ein Porträt der von Kolonialismus, Unabhängigkeitskrieg, Bürgerkrieg und Terror zerrütteten Gesellschaft.

Als die junge Ärztin Amal aufbricht, um ihren vermutlich von Islamisten entführten Mann zu suchen, begleitet sie ihre Kollegin Khadidja, eine Vertreterin der Generation des Unabhängigkeitskampfes. Auf ihrer gefährlichen Reise durch die patriarchale und gewaltsame Gegenwart Algeriens treffen beide die verschiedensten Menschen, deren Geschichten die schwierige und komplexe Vergangenheit Algeriens symbolisieren und deren Charaktere eindrucksvoll gezeichnet sind.

Fern jeder Didaktik und fern jeder gut gemeinten Geschichtsstunde zeichnet Sahraoui ein einfühlsames Porträt der Figuren und setzt ein Zeichen gegen die Verdrängung.

[Mehr]

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Veranstaltungsreihe „Tradition oder Moderne? Die Aktualität der Aufklärung im Nahen Osten“

präsentiert die Ausstellung

Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

Die renommierte Ausstellung, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Aktualität der Aufklärung im Nahen Osten“ für eine Woche im Seminar für Islamwissenschaft und Arabistik des Orientalischen Instituts der Universität Halle gastiert, informiert über „vergessene Opfer“ und lange verschwiegene Täter und Nazikollaborateure aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Fernost

  • Montag, 12.07. – Freitag, 16.07.
  • täglich 10-18 Uhr
  • Mühlweg 15

Die hiesige eurozentrische Geschichtsschreibung übersieht meist, dass der Zweite Weltkrieg auch in den Ländern der Dritten Welt geführt wurde. Dort forderte er sogar mehr Opfer, als in Europa, allein in China starben mehr Menschen, als in Deutschland, Italien und Japan zusammen. Hunderttausende asiatische Frauen wurden von den Japanern in ihre Frontbordelle verschleppt, die Nazis planten für die Zeit nach der Eroberung weiter Teile des Nahen Ostens und Afrikas bereits die Ermordung hunderttausender Juden.

Millionen Kolonialsoldaten aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika leisteten zudem einen wichtigen Beitrag im alliierten Kampf gegen Naziterror, Faschismus und japanischen Chauvinismus, wobei sie oft weniger Sold und schlechtere Ausrüstung bekamen.

Fakten wie diese werden im hiesigen Geschichtsdiskurs allerdings ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass auch in einigen Ländern der Dritten Welt Teile der Bevölkerung und hochrangige Politiker mit den deutschen Nazis und anderen Achsenmächten sympathisierten. Kollaborateure haben die faschistischen Achsenmächte politisch, ökonomisch und in vielen Fällen auch militärisch unterstützt. Selbst für die Todesschwadronen der Waffen-SS, die Giftgasbrigaden der italienischen Faschisten und die Mordkommandos der japanischen Besatzer ließen sich tausende Helfershelfer anheuern. Millionen Menschen bejubelten die Siege der Achsenmächte, hochrangige arabische Persönlichkeiten, darunter der muslimische Großmufti von Jerusalem al-Husseini, waren aktiv an Propaganda und Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten beteiligt.

Der Objektivierung von Menschen in der Dritten Welt entgegenzuwirken, sie als Individuen, als an Geschichte aktiv partizipierende Subjekte wahrzunehmen, ist für uns notwendige Aufgabe im Sinne der Aufklärung. Die eurozentrische, rassistische Objektivierung zu durchbrechen erfordert aber nicht nur, das Andenken von Millionen vergessenen Opfern zu wahren. Vielmehr gilt es auch, die Geschichte der Kollaboration, die Geschichte der Täter aufzuarbeiten, um nicht einem apologetischen Positivrassismus zu verfallen, wie er in einigen wissenschaftlichen Publikationen zum Thema aufscheint.

Um über marginalisierte und verdrängte Geschichte[n] zu informieren und um zur Reflexion des Spannungsverhältnisses von Wissenschaft und Politik anzuregen haben wir nun die bekannte, wissenschaftlich fundierte und inhaltlich differenzierte Wanderausstellung von Recherche International e.V. und dem Rheinischen JournalistInnenbüro – „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ – für eine Woche an das Institut für Orientalistik/ Seminar für Islamwissenschaft und Arabistik der Universität Halle geholt.

Bei Interesse Themenheft [klick] bestellen!

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